
ZNL Newsletter Nr. 46 – März 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
mit den ersten warmen Tagen und dem beginnenden Frühling kommt auch neue Bewegung in viele unserer Projekte. Passend zur Jahreszeit starten wir mit frischen Impulsen, neuen Kooperationen und spannenden Qualifizierungsangeboten. In diesem Newsletter:
- Stellen wir Ihnen unser neues, kostenfreies Fortbildungsprogramm SELIMA vor, das Krippenteams in Baden-Württemberg bei der Förderung von Selbstregulation und sozial-emotionaler Entwicklung im Alltag unterstützt.
- Berichten wir vom Auftakt der Qualifizierungen im Rahmen der Kooperation mit der aim Akademie für Innovative Bildung und Management im Projekt abc – achtsam, bedacht, clever.
- Informieren wir über kostenfreie Online-Fortbildungen für Erziehungs- und Lehrkräfte zum Thema „Mein gesunder (Arbeits-)Alltag“ im Rahmen von Komm mit in das gesunde Boot.
- Geben wir Einblicke in eine neue Expertise zu Exekutiven Funktionen und ihrer Bedeutung für die Potenzialentfaltung hochbegabter Kinder und Jugendlicher.
Lassen Sie sich inspirieren!
Ihre Petra Arndt und das ZNL-Team
SELIMA startet: Selbstregulation im Krippenalltag begleiten und fördern Krippenteams in Baden-Württemberg können sich ab sofort für SELIMA-Qualifizierungen anmelden.

Wir freuen uns sehr, dass im Februar unser neues Qualifizierungsangebot für pädagogische Fachkräfte im Krippenbereich SELIMA – Selbstregulation im Krippenalltag begleiten und fördern: sozial-emotionale Entwicklung stärken gestartet ist.
SELIMA setzt dort an, wo gesundes Aufwachsen beginnt: in den ersten Lebensjahren. Das wissenschaftlich fundierte Konzept unterstützt pädagogische Fachkräfte dabei, Kinder unter drei Jahren in ihrer sozial-emotionalen und frühen selbstregulativen Entwicklung zu begleiten. Gerade die frühen Erfahrungen bilden eine wichtige Grundlage für die Entwicklung selbstregulativer Kompetenzen und damit für psychische Gesundheit, Lernfähigkeit und gelingende soziale Beziehungen.
Ein besonderes Merkmal von SELIMA ist der alltagsintegrierte Ansatz: Die Förderung erfolgt nicht über zusätzliche Programme oder Angebote, sondern wird direkt in den bestehenden Krippenalltag eingebettet. Fachkräfte erhalten konkrete Strategien und Impulse, mit denen sie alltägliche Situationen – etwa beim Spielen, Trösten, Übergängen oder gemeinsamen Essen – gezielt nutzen können, um Kinder in ihrer emotionalen Entwicklung und Selbststeuerung zu unterstützen.
Damit knüpft SELIMA an unser Programm EMIL – Emotionen regulieren lernen für Kinder im Kindergartenalter an und ergänzt die Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen bereits bei den Jüngsten. Beide Konzepte zusammen bilden eine durchgängige Förderlinie vom Krippen- bis ins Vorschulalter.
Der offizielle Auftakt von SELIMA fand im Februar bei einer Informationsveranstaltung in Stuttgart statt. Mit dem Start der Praxisumsetzung können nun Krippenteams in Baden-Württemberg an SELIMA-Qualifizierungen teilnehmen. Ziel ist es, pädagogische Fachkräfte in ihrer Arbeit zu stärken und Kinder von Anfang an in ihrer emotionalen Entwicklung und Selbstregulation zu begleiten.
„abc – achtsam, bedacht, clever“: Kooperation mit der aim Akademie für Innovative Bildung und Management gestartet!

abc wurde zunächst als Forschungsprojekt am ZNL entwickelt und 2025 erfolgreich abgeschlossen. Im Zentrum von abc steht eine Qualifizierung für Lehrkräfte und weitere schulische Akteure. Ziel ist es, Lern- und Unterrichtsprozesse so zu gestalten, dass Selbstregulation und exekutive Funktionen gestärkt werden – alltagsintegriert und ohne zusätzliche Maßnahmen „on top“. Praxisnahe Materialien und konkrete Impulse unterstützen dabei, entsprechende Förderansätze im Schulalltag zu erkennen und nachhaltig umzusetzen. Die begleitende Evaluation zeigt positive Effekte auf die kindliche Entwicklung in mehreren Bereichen, unter anderem auf Lern- und Sozialverhalten, Klassenklima und Schuleinstellung. Auch Lehrkräfte berichten von einer deutlichen Wissenserweiterung und einer erfolgreichen Umsetzung der Ansätze im Schulalltag.
abc befindet sich nach Abschluss des Forschungsprojekts im Rollout und wird gemeinsam mit verschiedenen Partnern umgesetzt.
Wir freuen uns sehr, dass Anfang 2026 die Kooperation mit der aim gestartet ist und nun auch dort die erste abc-Qualifizierung läuft. Perspektivisch möchten wir die Zusammenarbeit weiter ausbauen, um möglichst viele Grundschulkinder im Raum Heilbronn zu erreichen.

Die Stärkung von exekutiven Funktionen und Selbstregulation ist angesichts aktueller Herausforderungen im Schulalltag wichtiger denn je und bildet eine zentrale Grundlage für erfolgreiches Lernen, eine gesunde Entwicklung und ein positives Miteinander.
Neu: Unsere ZNL-Projekte sind jetzt auch auf evido. sichtbar
evido. ist das aim-Magazin für evidenzbasierte Bildungsforschung, Schulmanagement und schulische Praxis. Umso mehr freuen wir uns, dass im Dossier „Selbstregulation“ mehrere unserer ZNL-Projekte vorgestellt werden. Das Dossier zeigt praxisnah, wie Kitas und Schulen Kinder und Jugendliche dabei unterstützen können, Selbstregulationskompetenzen im Alltag zu entwickeln – und bietet darüber hinaus viele weitere spannende Beiträge, Hintergrundinformationen und Impulse rund um das Thema Selbstregulation.
Im Bereich Weiterbildung finden Sie unter anderem:
- abc – achtsam, bedacht, clever
Qualifizierungskonzept für Grundschulen, Lehrkräfte und weitere schulische Akteure - EMIL – Emotionen regulieren lernen
für pädagogische Fachkräfte und Leitungen in Kitas - SELIMA – Selbstregulation im Krippenalltag begleiten und fördern: sozial-emotionale Entwicklung stärken
für pädagogische Fachkräfte und Leitungen in Krippen - BeLL – Bewegte Kinder lernen leichter
digitales Fortbildungskonzept für Übungsleiter*innen und Lehrkräfte an Ganztagsgrundschulen
Schauen Sie gern in das Dossier und die Weiterbildungsangebote hinein – es lohnt sich!
Psychosoziale Gesundheit von Erziehungs- und Lehrkräften stärken
Die psychosoziale Gesundheit von Erziehungs- und Lehrkräften ist durch eine hohe Arbeitsbelastung, oft verstärkt durch große Gruppen bzw. Klassen, ständigem Lärm und Zusatzaufgaben gefährdet. Emotionale Erschöpfung, berufliche Unzufriedenheit und ein erhöhtes Burn-out-Risiko können die Folge sein. Prävention durch Stressreduktion, Resilienzförderung und individuell angepasste Erholungsphasen ist entscheidend.


Im Rahmen des Gesundheitsförderprogramms „Komm mit in das gesunde Boot“ können Erziehungs- und Lehrkräfte aus ganz Deutschland kostenfrei an Online-Fortbildungen zum Thema „Mein gesunder (Arbeits-)Alltag“ teilnehmen. Die Teilnehmenden erhalten Übungen und Materialien zum direkten Einsatz, um psychosozialer und körperlicher Arbeitsbelastung zu begegnen, Stress zu minimieren und die eigene Resilienz zu fördern. In der interaktiven Online-Fortbildung werden Hintergrundwissen, Übungen und Materialien vorgestellt und gemeinsam erarbeitet. Neben der Teilnahme an zahlreichen Übungen zum Stressmanagement und zur Resilienz- und Achtsamkeitsförderung, gibt es zudem die Möglichkeit sich mit Kolleg:innen auszutauschen. Die Fortbildung ist dank der Kostenübernahme durch die Techniker Krankenkasse für die Teilnehmenden kostenfrei.
Exekutive Funktionen: Welche Bedeutung haben sie für die Potenzialentfaltung von hochbegabten Kindern und Jugendlichen?

Hohe kognitive Fähigkeiten gelten vielfach als verlässlicher Prädiktor für schulischen und beruflichen Erfolg. Doch die Praxis zeigt ein differenzierteres Bild: Nicht alle leistungsstarken Kinder und Jugendlichen können ihr intellektuelles Potenzial gleichermaßen ausschöpfen. Unsere aktuelle wissenschaftliche Expertise erweitert den Blick auf diesen Befund und rückt die Bedeutung exekutiver Funktionen in den Mittelpunkt.
Exekutive Funktionen – darunter Arbeitsgedächtnis, Inhibition und kognitive Flexibilität – bilden die neurokognitive Grundlage für zielgerichtetes, planvolles und selbstreguliertes Handeln. Sie steuern Aufmerksamkeit, unterstützen die Strukturierung komplexer Lernprozesse und ermöglichen es, auch bei Herausforderungen handlungsfähig zu bleiben. Damit bilden sie ein bedeutendes Bindeglied zwischen intellektueller Begabung und konkreter Leistung.
Die im Auftrag der Karg-Stiftung erstellte wissenschaftliche Expertise zum internationalen Forschungsstand verdeutlicht, dass insbesondere im Kontext von Underachievement Defizite in der Selbstregulation eine zentrale Rolle spielen könnten. Begabungsdiagnostik, die sich ausschließlich auf IQ-Werte stützt, greift daher zu kurz. Vielmehr empfiehlt sich ein mehrdimensionaler Ansatz, der exekutive Funktionen systematisch berücksichtigt.
Von besonderer Relevanz für die Bildungspraxis ist die Erkenntnis, dass exekutive Funktionen gezielt trainierbar sind. Entsprechende Förderansätze kombinieren z. B. strukturierte Lernsettings und transparente Zielvereinbarungen mit gezielten Übungen und unterstützenden Elementen für die exekutiven Funktionen. Auch adaptive Herausforderungen und ein konstruktiver Umgang mit Fehlern können dazu beitragen, die Selbststeuerungskompetenz langfristig zu stärken.
Für pädagogische Fachkräfte und Eltern ergibt sich daraus ein klarer Handlungsauftrag: Potenzialentfaltung erfordert nicht nur kognitive Förderung, sondern ebenso die systematische Berücksichtigung und Unterstützung von exekutiven Funktionen und Selbstregulation. Wer diese Fähigkeiten stärkt, schafft nicht nur tragfähige Voraussetzungen für nachhaltigen Bildungserfolg sondern auch für psychosoziale Stabilität.
Die vollständige Expertise steht als Open-Access-Publikation zur Verfügung und bietet fundierte Impulse für Diagnostik, Förderung und Forschung.
Veröffentlichung: Hofmann, C., Stegmüller, A. M., & Walk, L. M. (2025). Exekutive Funktionen: Welche Bedeutung haben sie für die Potenzialentfaltung von hochbegabten Kindern und Jugendlichen? Frankfurt am Main: Karg-Stiftung. https://doi.org/10.25656/01:34455